Freitag, 22. Dezember 2017

Rezension: "Schattenbrandung", Sascha Lemon




Inhalt/Meinung

Wer meinen Blog regelmäßig verfolgt, weiß, dass ich eigentlich selten Thriller lese. Nicht, dass ich sie nicht mag, aber meistens komme ich irgendwie nicht richtig an sie ran. Ich „thrillere“ mich zu wenig. Konnte „Schattenbrandung“ das ändern oder „thrillerte“ ich mich hier auch in den Schlaf?

Die Geschichte fängt ganz unkonventionell mit einem Treuebruch an. Ich war erstaunt und fragte mich, was in der Familie alles schiefgelaufen sein musste. Allerdings ist der Einstieg gut gewählt, um gleich ein Bild von den Figuren zu bekommen. Die Geschichte wird aus mehreren Blickwinkeln und von unterschiedlichen Charakteren erzählt, sodass man am Ende wirklich alles weiß.

Lena Kastor ist die Protagonistin, an der ich mich ein wenig festhielt und die ich quasi als meinen Anker ausgewählt habe. Sie ist diejenige, die ihren Mann betrügt und während dem „Stelldichein“ erfährt, dass ihre Tochter Jenna verschwunden ist. Lena kam mir als eine Frau rüber, die nicht genau weiß, was sie will. Sie will ihren Lover, sie will ihre Familie, ihren Mann und alles doch auch irgendwie nicht. Sie war sehr zerrissen und manchmal etwas sprunghaft in ihren Entscheidungen. Nichtsdestotrotz war sie eine interessante Figur, der das Leben übel mitspielt. Sie kämpft, auch wenn sie selbst nicht immer weiß, wofür.

Ihr Mann Jo Kastor scheint zu erst das arme Opfer ihres Treuebruchs zu sein, allerdings kristallisiert sich schnell heraus, dass er auch nicht unbedingt eine weiße Weste hat. So sehr er sich auch Mühe gibt, das Familienleben, dass sie mal hatten, will er offensichtlich gar nicht zurück. Jo hat Geheimnisse, wie jeder in dieser Familie und manche wiegen so schwer, dass man sie lieber nie an die Oberfläche holt. Jo lebt hin und wieder eine Doppelmoral, für die ich ihn gerne mal geschüttelt hätte. Er hat sich zurückgezogen, aber ein Familienleben läuft nun mal nicht von alleine. Seine ganze Familie ist mit ihm nach Groom (mitten im Nirgendwo) gezogen und anstatt dauernd zu arbeiten, sollte er dafür sorgen, dass es allen gut geht. Er hat den Blick auf sich gerichtet und bekommt kaum mit, was um ihn herum eigentlich gerade läuft. Bis es zu spät ist. Jo konnte ich schwer einschätzen. Er war einerseits ein liebender Vater (Jenna), andererseits total streng und unnahbar (Eric). Er beruhigte seine Frau, war aber mit den Gedanken woanders.

Jennas Bruder Eric ist da nicht besser als sein Vater. Zwar ist die Beziehung zu diesem eher mäßig bis gar nicht vorhanden, aber Eric sieht einzig und allein seinen Vater in der Schuld, nicht sich selbst. Seine Geheimnisse sind anderer Natur, aber dennoch nicht weniger groß oder sorgen nicht weniger dafür, dass die Familie zerbricht. Eric war für mich bis fast ganz zum Schluss eher der arrogante und eingebildete Typ. Es ging ihm meistens nur um sich und seine Sorgen. Meiner Meinung nach merkte er zu spät, dass los ist und dass das Leben sich nicht nur um ihn dreht. Vielleicht hätte es aber auch nichts geändert, wenn er schon eher gemerkt hätte, was los ist.   

Die Geschichte als solche ist sehr spannend. Ich wusste bis zum Ende hin nicht, um was es geht, wer Schuld trägt und wie die ganze Misere ausgehen könnte. Natürlich hatte ich immer wieder einen Verdächtigen (sehr schnell sogar einen bestimmten, der sich bis zum Schluss hielt…), aber der Autor versteht es gekonnt, falsche Fährten zu legen und die Figuren verdächtigen handeln zu lassen. Nach und nach erfährt der Leser, wie groß die Geheimnisse in der Familie eigentlich sind und die Spannung nimmt von Seite zu Seite zu. Es ging sehr schnell, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Besonders gut gefallen hat mir das Setting und die Atmosphäre. Das Unwetter spielt eine große Rolle und ich spürte, wie es immer näher und näher kam. Auch die aufgewühlte See, die karge, einsame Landschaft und das Dorfleben waren immer präsent. Zusammen mit den Gefühlen und Gedanken der Figuren, der ansteigenden Spannung und der Tatsache, dass ich wirklich keine Ahnung hatte, was eigentlich los war, zog „Schattenbrandung“ mich in seinen Bann.

Die Auflösung am Ende hat mich ehrlich gesagt sehr überrascht, denn es gab Verbindungen, die habe ich so nicht kommen sehen. Durch das ganze Rätselraten und Vermutungen anstellen, habe ich den Blick fürs Wesentliche verloren und mich genauso verrannt, wie Familie Kastor das getan hat.

Fazit

„Schattenbrandung“ ist eine spannende Geschichte, die mit vielen Wendungen, Rätseln, Geheimnissen und einer sehr düsteren Atmosphäre aufwarten kann. Nie ist etwas genauso, wie es zu sein scheint und oftmals lohnt sich auch ein zweiter Blick. Oder ein klärendes Gespräch. Einfach mal die Karten auf den Tisch legen. Ich weiß nicht, ob die Geschichte ein guter Thriller ist, dafür lese ich zu wenig aus diesem Genre, aber ich wurde sehr gut unterhalten. Die Spannung fesselte mich an die Seiten, die Wendungen überraschten mich und das Ende habe ich so nicht kommen sehen. Was will man mehr? Klare Leseempfehlung!

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https://www.amazon.de/Schattenbrandung-Thriller-Neuerscheinungen-2017-books2read-ebook/dp/B07656X3WP/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1508855203&sr=1-1&keywords=schattenbrandung



Klappentext

Ein gewaltiges Unwetter fegt über die schottische Küstenstadt Groom hinweg und bringt Unheil über Lenas Familie: Ihre Teenagertocher Jenna verschwindet spurlos, ihr Mann scheint vor rasender Trauer fast blind, und ihr Sohn wird durch die Geschehnisse noch tiefer in einen Strudel aus Sucht und Schuld getrieben. Verzweifelt versucht Lena herauszufinden, wo und mit wem ihre Tochter zuletzt gesehen worden ist. Doch ihre einzige Spur ist ein dunkler Schatten draußen an den sturmumtosten Felsen der Dragonfalls-Bucht …








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