Montag, 25. Dezember 2017

Rezension: "Die Seelen von London", A.K. Benedict




Inhalt/Meinung

Bei dem Buch „Die Seelen von London“ sprach mich auf den ersten Blick das Cover an, auf den Zweiten der Klappentext. Ich dachte, ich habe vielleicht einen Jugendkrimi in der Hand, aber weit gefehlt. Die ganze Geschichte hatte ganz viele Überraschungen für mich parat und … vielleicht greife ich etwas vor. Fangen wir am Anfang an.

„Die Stadt ist voller Fenster und voller Menschen, die aus diesen Fenstern schauen.“
Seite 14


Klischee Detektiv? Am Anfang ja, dann Nein! Das war die erste Überraschung! Detective Inspektor Jonathan Dark ist der typische Klischeedetektiv. Abgehalftert, von der Frau verlassen, stellenweise ungepflegt und natürlich kommt ein alter Fall, der ungelöst ist und ihn nie losgelassen hat. Nach den ersten Seiten dachte ich wirklich, ich habe einen typischen 0815-Roman erwischt. Aber Jonathan Dark belehrte mich schnell eines Besseren, denn er zeigte mir einige Seiten von sich, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Er ist vielschichtig, hat tatsächlich noch Lust an seiner Arbeit und die familiären Probleme drängen sich auch nicht in den Vordergrund. Ich weiß nicht, ob ein glücklicher Detektive ohne Probleme nicht auch mal funktionieren würde, aber man sollte hier in der Geschichte über die Sorgen von Dark hinwegsehen, denn sie sind zwar ein wichtiger Bestandteil, aber ziehen Dark nicht so weit runter, dass er im Alkohol versinkt.

„Seine Stimme ist schwächer als früher, wie Tee, der kaum mit dem Teebeutel in Berührung gekommen ist.“ Seite 34

Die Geschichte als solche, der Fall den es zu lösen gilt, war für mich noch nicht mal das Interessanteste. Am Besten fand ich die ganzen Figuren, die neben Jonathan Dark die Geschichte zu der machen, die sie ist. Vielschichtig und voller Überraschungen. Da wäre der Bestatter, der viel mehr ist als einfach jemand der die Toten zu Grabe trägt. Da wäre das vermeintliche Opfer, eine junge blinde Frau, die viel mehr sieht, als jeder andere in der Geschichte. Jede Figur, die ich während des Lesens traf, hatte ihre eigene Geschichte, die mir nach und nach erzählt wurde. Dafür, dass die Figuren so interessant sind, hatten einige von ihnen fast schon zu wenig Zeit, um ihre eigene Stimme finden zu können. Gerade der Bestatter hätte ruhig öfter zu Wort kommen dürfen.

„Das hier ist alles, was es gibt. Es gibt keinen Himmel und keine Hölle, nur eine Welt, die die Lebenden sich mit den Toten teilen.“ Seite 49

Was mir noch sehr gefallen hat waren die Beschreibungen, die immer wieder auftauchten (siehe Zitate!). Sie waren zwischen Geistern, Krimifällen und dem nebligen London das, was die Geschichte zum Leben erweckte und ihr zeitgleich eine interessante Einzigartigkeit verlieh. Ich habe hier nur ein paar Zitate rausgesucht, aber diese wunderbaren Beschreibungen ziehen sich durch das ganze Buch.
Die Schreibweise allgemein ist sehr angenehm und die Geschichte dadurch sehr flüssig zu lesen. Ich hatte immer Bilder von London vor Augen, auch wenn ich selbst noch nie dort war.

„Wenn die Lebenden wüssten, dass die Liebeslieder, die sie hören, in Wirklichkeit Lieder über den Tod sind, dann wüssten sie auch, warum es schmerzt.“ Seite 73

Was mich auch sehr angesprochen hat, waren die Geisterdarstellungen. Ohne viel Spoilern zu wollen, ist diese Welt, die neben der unseren existiert, derart genial, dass sie mich hin und wieder mehr interessiert hat, als die Realität. Der Autor hebt sie nicht in den Vordergrund, aber dennoch schwebt die Geisterwelt doch immer über den Figuren und lässt sie nicht los.

„Barbara hält sich die Ohren zu, doch ebenso wie Wasser findet Flüstern immer einen Weg.“ Seite 143


Fazit

Für Krimiliebhaber ist dieses Buch sicherlich ein kleines Leckerchen für zwischendurch, allerdings sollte beachtet werden, dass hier eindeutig fantastische Elemente mit einschlagen und es kein normaler Krimi ist. Wen das nicht stört, wird an „Die Seelen von London“ seine Freude haben!


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https://www.amazon.de/Die-Seelen-von-London-Roman/dp/3426520559/ref=tmm_pap_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=1497542858&sr=1-1


Klappentext

Glauben Sie an Geister?

Nein? Dann geht es Ihnen wie Detective Inspector Jonathan Dark, der in London einen Frauenmörder jagt. Gerade erst hat das potentielle Opfer, die blinde Maria, bei einer ihrer "Schatzsuchen" im Schlamm der Themse einen menschlichen Finger gefunden. Darauf ein gelber Diamantring und eine Botschaft in Braille-Schrift: "Willst du mich heiraten, Maria?"
Wenn Jonathan Dark Maria retten will, muss er lernen, seiner Intuition zu vertrauen. Und den Seelen, die unsichtbar zwischen den Lebenden wandeln und ihre ganz eigenen Rachepläne hegen.

A.K. Benedict hat eine unwiderstehliche Mischung aus Krimi, Grusel und Urban Fantasy geschaffen - für alle, denen Ben Aaronovitch nicht unheimlich genug ist.








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