Dienstag, 17. Oktober 2017

Rezension: "Fremder Himmel", Dennis Frey



Inhalt/Meinung

Schon als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich mir, dieses Buch musst du lesen! Es wird mit Sicherheit megagenial! Und bevor ich das Buch ausgelesen hatte, habe ich es auch schon überall empfohlen!
Macht man ja eigentlich nicht, denn das Ende kann ja immer noch die ganze Geschichte kaputt machen, egal wie gut sie war. Habe ich mir jetzt selbst ein Loch gegraben oder war meine Vorabempfehlung sinnvoll?

Mona ist eine junge Autorin, die von ihrer Geschichte absolut überzeugt ist. Das, was sie geschrieben hat, ist nahezu perfekt und jeder, der das Gegenteil behauptet, spinnt. Auch ihr Professor, der ihr immer wieder rät, zu Überarbeiten. Kritisch zu sein. Es sich nicht zu einfach zu machen. Eine neu erdachte Welt lebt von ihrer Glaubwürdigkeit, aber Mona ist sich sicher, dass sie an alles gedacht hat. Jetzt sucht sie jemanden, der ihre Geschichte liest, ihr womöglich mit einem Lektorat weiterhilft. Dass das gar nicht so einfach ist, merkt sie recht schnell, denn ihre Freunde geben zu, befangen zu sein.
Schließlich landet Mona bei Bragi, einem Lektor, der ihr versichert zu helfen. Sie muss ihm nur versprechen, nicht aufzugeben und die Kontrolle nicht zu verlieren. Das alles für lau.
Mona willigt ein. Und das Unheil nimmt seinen Lauf…

Mona landet in ihrer erdachten Fantasywelt Kaemnor. Jetzt fängt der Spaß erst richtig an!
Der Anfang der Geschichte war etwas ruhig und ich habe die ganze Zeit gewartet, dass irgendwas passiert. Die „Reise“ von Mona in ihre Geschichte ist vollkommen unspektakulär, aber gleichzeitig war ich total überrascht! Genau wie Mona, die ja auch erstmal nicht wusste, was los war. Ich erlebte zusammen mit ihr diese Welt, dass fand ich mit am besten, denn alles war auch für sie neu, obwohl sie die Welt ja erdacht hat. Ich sah Kaemnor und seine Bewohner und konnte zeitgleich durch Mona erfahren, ob das so war, wie sie sich das vorgestellt hatte oder eben nicht.
Und dieses „oder eben nicht“ gab es oft. :-D

Jetzt kommen wir aber mal zu potte, ich plappere ja hier rum… „Fremder Himmel“ ist eine Geschichte, die von einem Autor für Autoren geschrieben worden ist (natürlich nicht nur! Aber ich bin mir sicher, dass sich so mancher Schreiberling an einigen Stellen wiederfindet^^). Mona erlebt das, was sich wohl jeder Autor wünscht! Sie erlebt ihre Geschichte mit Haut und Haar! Reist mit ihren Figuren und sieht die Denkfehler, die sie beim Schreiben hatte. Das hat meine Autorenseite natürlich total angesprochen und ich war hin und weg!

Aber das war noch nicht alles! Die Welten, die Dennis Frey erschaffen hat (war er dort auch zu Besuch?!), sind beide total realistisch. Einmal die Mona-Realität. Mona hat Sorgen und Probleme, mit denen sie sich rumschlagen muss. Natürlich ist es toll, dass sie Kaemnor besuchen kann, andererseits zerrt das auch an ihrer Konstitution. Es fällt ihr zunehmend schwerer, sich zu konzentrieren und Mona-Realität mit Kaemnor zu unterscheiden. Diesen Aspekt fand ich sehr gut, denn alles muss ja irgendwie ein Ende haben und wenn Mona sich in beiden Welten wohl gefühlt hätte, wäre das ja auch irgendwie komisch gewesen.
In Monas Realität mischt sich mehr und mehr Bragi ein, bis etwas passiert, dass Mona an seiner Integrität zweifeln lässt. Auch das war super, denn schließlich ist nicht jeder gut, nur weil er es sagt. Und nicht jeder hilft total selbstlos anderen, schon gar nicht ein magisches Wesen.
Allerdings hätte ich von Bragi gerne mehr erfahren. Was waren seine Beweggründe? Warum hat er Mona geholfen? Sicherlich nicht nur aus Spaß an der Freude und auch nicht nur zu seiner eigenen Unterhaltung. Ja, Mona zehren die Reisen zwischen den Welten aus, aber dennoch hat er ihr geholfen. Bragi kam mir einfach zu kurz. Genau wie der Polizist, der mehr zu wissen scheint als er sagt. Aber dazu kann ich nichts sagen, denn mehr weiß ich da leider auch nicht.

Kaemnor ist einfach nur genial! Anders kann ich es nicht sagen. Es passieren Dinge, die Mona so nicht geschrieben hat und sie lernt, dass es nicht immer gut, den einfachen Weg beim Schreiben zu gehen. Figuren brauchen Ecken und Kanten, ein Ziel, eine Motivation. Und sie dürfen auch mal sehr unhöflich sein.
Natürlich hat die Welt auch ihre Schwächen, aber erstens sind die von Mona so geschrieben (und werden ausgebessert) und zweitens macht das diese Welt ja erst liebenswert. Ich muss zugeben, dass mir Kaemnor sogar noch besser gefallen hat als die Mona-Realität. Dennis Frey beweist wieder einmal, dass er fast schon ein Meister darin ist, sich Fantasywelten auszudenken, denn meiner Meinung nach denkt er an noch so kleine Details. Sind es nun die Dunkelelfen, denen ich nicht im Dunkeln begegnen will oder die Zwerge, deren Stadt ich gerne mal mit eigenen Augen sehen möchte. Egal ob Barbaren, Hexen (die waren MEGA!!), kleine urige Häuschen, Gilden, mysteriöse Mädchen, Ohrenformen, Blätterrauschen, Hintergrundgeschichten, gruslige Friedhöfe… es war wirklich alles dabei und auch wenn es natürlich so geschrieben war, dass Mona immer wieder was nicht bedacht hatte, so war diese Welt doch einfach nur so richtig genial!

Aber (es gibt immer ein Aber, oder?) das Ende fühlte sich bei mir nicht wie ein Ende an. Dennis Frey hat einige rote Fäden in die Geschichte gewoben, die meiner Meinung nach einfach noch nicht beendet sind, allen voran der Polizist (Mona-Realität) und das mysteriöse Mädchen (Kaemnor). Zu beiden kann ich nichts sagen, außer dass sie in die Handlung eingreifen, aber ich als Leser erfahre leider kaum etwas über die beiden. Ich bin mir nicht sicher, ob man das noch hätte einbauen können, ober ob das allein schon reicht, um einen zweiten Teil zu schreiben. Verdient hätte es die Welt auf jeden Fall!

Fazit

„Fremder Himmel“ ist ein gelungener Mix zwischen Realität und Fantasy, wobei mir persönlich die Fantasywelt besser gefallen hat. Die Geschichte im Ganzen hat einige kleine Schwächen, was die roten Fäden und deren Ende, angeht, glänzt aber durch ihre geniale Idee und grandiose Umsetzung. Es lohnt sich auf jeden Fall zu diesem Buch zu greifen, denn Dennis Frey versteht es, Welten und deren Bewohner zu erschaffen! Ich hoffe, dass da noch mehr kommt, denn verdient hätte es die Geschichte. Außerdem könnte man so noch einige offene Fragen klären.


 * * *

https://www.drachenmond.de/titel/fremder-himmel/


Klappentext

„Mein Held", hauchte sie. Und genau das war er. Ihr Held. Zähne blitzten weiß
auf, als er ihr zulächelte.

Mona, eine junge Autorin, hat grade zum ersten Mal ein Manuskript beendet. Um das volle Potenzial ihrer Fantasy-Welt Kaemnor zu entfalten, trifft sie sich mit dem Lektor Bragi, der ihr helfen möchte und im Ausgleich nur ein Versprechen verlangt:
Mona darf nicht aufgeben, bis er es ihr erlaubt.
Sie stimmt zu und findet sich kurz darauf in Kaemnor wieder - der Welt, die sie selbst erschaffen hat. Doch während sie von da an bei jedem Einschlafen zwischen den Welten hin und her springt, muss sie sich eingestehen, dass sie längst keine so gute Autorin ist, wie sie gedacht hatte ...








(Das Copyright von Text, Bildern und Illustrationen liegt bei den Verlagen, Autoren und/oder den Illustrationen, die im Impressum erwähnt werden.)