Montag, 23. Oktober 2017

Rezension: "Ewig und ein Sommer", Kerstin Arbogast




Inhalt/Meinung

Dieses Buch ist aus dem März 2017 und hat genau 22 Rezensionen (Stand Anfang Oktober 2017). Das war das Erste, was mir auffiel, als ich mich über die Geschichte schlau machte und ich fragte mich, warum? Der Klappentext machte mich neugierig – ich mag verrückte Geschichten mit Protagonisten, die nicht angepasst sind und gegen den Strom schwimmen. Also stürzte ich mich ins Abenteuer „Ewig und ein Sommer“, ließ alles auf mich zukommen und ja, erwartete Nichts.

Und doch bekam ich so viel! Ganz ehrlich, ich habe es nicht kommen sehen! Diese Geschichte fing an, wie ein ruhiger, frischer Tag im Frühling. Leichtes Vogelgezwitscher, ein paar weiße fluffige Wolken, dezenter Wind. Alles ganz angenehm und nett. Sophie macht ihr Ding, redet und redet. Konrad taucht irgendwann auf und ich dachte nur, warum er ihr nicht einfach den Mund zuklebt. Ernsthaft, ich bin sicher Sophie atmete über die Haare!
Es war alles ziemlich freundlich, lieb und … langweilig.

Aber … ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, denn obwohl (oder gerade deswegen?) Sophie oftmals echt viel Quatsch redet und auch macht (ich sag nur Weihnachtskekse im Sommer^^), hatte ich sofort einen Draht zu ihr. Ja klar, sie ist eindeutig verrückt, aber auf eine positive Art und Weise. Auf eine Lorelai Gilmore-Art und Weise! Sie labert ohne Ende, aber sie hat ein so großes Herz, dass ihr Körper dafür viel zu klein erscheint. Sie verstellt sich nicht, denn Sophie ist in allem was sie sagt und tut grundsätzlich sie selbst. Dadurch, dass die Geschichte aus ihrer Sicht beginnt, merkt man auch gar nicht, dass sie seltsam und anders ist. Es ist vollkommen normal für sie (und dem Leser), dass sie ihren alten Dackel im Fahrradkorb ausfährt. Dass sie mit ihrer Mutter und der Oma in einem Haus wohnt.
Ich liebte Sophie. Vielleicht war es keine Liebe auf den ersten Blick. Aber sie entwickelte sich langsam und womöglich war sie deswegen auch tiefer.

Erst als Konrad mit seiner Sichtweise die Geschichte zusätzlich erzählt, merkte ich, dass Sophie nicht nur viel Quatsch redet, sondern generell anders ist. Seltsam. Sie passt nicht in die Vorstellung der Leute von einem jungen Mädchen. Sie zieht Kleidung an, die kaum bis gar nicht zusammenpasst und eher ihrer Urgroßmutter gehören könnte. Oder einem 20iger Jahre Pinn Up-Girl. Sie will das Leben mit jeder Faser ihres Körpers spüren. Ewig und einen Sommer lang.
Konrad ist ruhig. Wirkt sehr introvertiert und ist gerade am Anfang fast noch seltsamer. Er hat Geheimnisse, dass ist offensichtlich, aber ich merkte auch, dass er von der lebenslustigen Art und Weise von Sophie angesteckt wird. Er will auch wieder etwas spüren.
Das ist sicher der einzige Grund, warum er am Sommerferienanfang bei ihr vor der Tür auftaucht. Sicher! Da gibt es bestimmt nichts anderes… *hust hust* ^^

Er braucht Sophie und sie braucht ihn. Und auch wenn sie glaubt, dass in Liebesdingen ein Fluch auf ihrer Familie liegt, kann sie Konrad doch auch nicht aus dem Weg gehen. Sie merken beide, wie viel Spaß sie zusammen haben. Und langsam kommt Konrad aus seinem Schneckenhaus. Auch wenn manche Menschen nicht gerettet werden wollen, brauchen sie doch manchmal einen kleinen Schubs und dazu eine helfende Hand. Das reicht schon, damit sie sich selbst retten können.

„Ewig und ein Sommer“ ist wie Erdbeermarmelade auf frischem Toast. Oder wie ein feiner Nieselregen an einem heißen Sommertag. Wie Vanilleeis, denn damit kann man nie etwas falsch machen. So süß wie Schokosoße und so bitter wie eine Zitrone. Bittersüß, denn obwohl die Geschichte wie eine bunte, total irre Achterbahnfahrt war, habe ich ständig weinen müssen. Ich habe Rotz und Wasser mit Sophie geheult, ich habe Tränchen mit Konrad verdrückt. Und am Ende habe ich mit und für beide geweint. Und gelacht. Geflucht. Kurzzeitig gehasst.

Aber ich bin auch mit ihnen gewachsen, denn Sophie und Konrad lernen voneinander. Sie lernen dass das Leben nicht immer eine Konfettikanone ist. Sie lernen, dass das Leben nicht immer nur aus Trübsal und schlechten Gedanken besteht und dass manchmal auch ein Luftballon voll von kleinen Papierschnipseln reicht, um das Leben bunter zu machen, ohne darin zu ersticken.

Das Ende, fand ich persönlich …seltsam. Nein, nicht das Ende an sich, sondern die Konversation der beiden gegen Ende hat mir so nicht gefallen, da ich nicht in mehr in die Gedankenwelt von Sophie und Konrad eintauchen konnte. Ich weiß nicht, ob das Absicht war, aber da war irgendwie die Verbindung zu beiden weg.

Fazit

„Ewig und ein Sommer“ ist mehr als ein Jugendbuch, dass im Sommer spielt. Es ist gleichzeitig Sonne und Gewitter im Sommer. Es ist, als hätte man was Süßes und was Saures im Mund, und müsste nun mit beiden Geschmacksrichtungen auf der Zunge klarkommen. Sophie und Konrad sind gemeinsam, nicht einsam, aber auch noch nicht zusammen und doch verbunden. (Wahrscheinlich rede ich schon wie Sophie^^).
Kurz gesagt: Ich liebte die emotionale Fahrt während der Geschichte. Lachen, weinen, lachen, fluchen, noch mehr lachen und lachen und weinen.


 * * *
 Folgendes kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung:

https://www.drachenmond.de/titel/ewig-und-ein-sommer/


Klappentext

Sophie glaubt an einen Fluch, der ihr die erste Liebe verwehrt.
Obwohl sie kein Wort versteht, sieht sie sich mit ihrer Oma ständig brasilianische Telenovelas im Fernsehen an.
Ihren Rauhaardackel Whiskey liebt sie über alles, hasst aber Katzen und Ponys, dennoch würde sie am liebsten mit dem Zirkus durchbrennen.
Weihnachten feiert Sophie im Hochsommer, und auch noch mit achtzehn klettert sie auf Spieltürme hinauf.
Sie bringt die Menschen um sich herum am liebsten auf die Palme, aber am besten: zum Lachen und aus sich heraus.
Genauso wie Konrad, der sich von ihrer Verrücktheit und ihrem Nichtangepasstsein beeindrucken und anstecken lässt.
Weil sie ihn aus seinem Schneckenhaus herauslockt.
Weil sie ihn in ihre eigene Welt zieht.
Weil er dann seine verkorkste Familie vergessen kann.
Weil er sich neben Sophie so schrecklich normal fühlen kann - und gleichzeitig so herrlich verrückt.
Oder ist es ihm letztendlich doch wichtiger, was die anderen von ihm denken?






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