Dienstag, 27. Juni 2017

HORRORWOCHE Tag 2: Was ist Horror?




So langsam kroch die Kälte eines alten Hauses durch meine Strickjacke und legte sich auf meine Haut. Die Gänsehaut, die entstand, gruselte mich irgendwie. Warum? Hier war doch jetzt nichts passiert. Das Haus war leer, etwas muffig und dafür, dass es verfallen inmitten von Feldern stand, konnte es nichts. Ich fragte mich, was hier wohl geschehen war.
Die Bücher reizten mich und kurzerhand schnappte ich mir eins und ing zurück in die Vorhalle. Die nächste Tür, die ich öffnete offenbarte mir einen roten Ohrensessel. Hinter ihm kam das Efeu, dass ich draußen schon gesehen hatte, durch das kaputte Fenster und brachte mehr Licht mit als nebenan. Der Ohrensessel sah abgewetzt aus und dennoch ließ ich mich mit einem Schnaufen darauf nieder. Eine Staubwolke entlockte mir ein Niesen, die Federn im Sessel quietschten, aber sonst saß es sich gut hier.
Ich blickte auf das Buch. Horrorbuch, rief ich mir ins Gedächtnis. Ich sah mir ein Horrorbuch mit der Aufschrift "Heimgesucht" in einem alten Ohrensessel in einem verlassenen Haus an. Kurz gestand ich mir ein, dass ich gerade ein Gruselklischee bediente, dann erfreute ich mich an der Atmosphäre, die ich selbst erschaffen hatte.






Hm. Ich blickte auf und fragte mich, was Horror und Grusel eigentlich ausmachen. Es müssen nicht immer die blutigen, zombiehaften Storys sein, die den Horror verbreiteten. Obwohl das auch ein wichtiger Aspekt des Horror ist, vor allem wenn es unerwartet kommt. Die Atmosphäre muss stimmen, stellte ich fest und überblätterte das Gedicht "Das Haus", denn das wäre eindeutig zu viel Atmosphäre in diesem Augenblick.
Die Gänsehaut kroch abermals über mich. Draußen ertönte ein kleines Quietschen, dass so schnell wieder weg war, wie es kam. Ich war mir unsicher. Hatte ich mir das eingebildet? Noch immer schien die Sonne durch die offene Eingangstür. Diese hatte sich nicht bewegt.
Das war ein Punkt, der auf jeden Fall für genug Grusel und dezenten Atemstillstand sorgt. Dinge, die sich von selbst bewegen. Die guten alten Geistergruselgeschichten. Wenn die Protagonisten nicht wissen, dass sie beobachtet werden, wenn die Bettdecke langsam von den Schlafendenen rutscht. Etwas, was nicht natürlich sein kann.






Okay, das ist auch wieder die falsche Geschichtswahl. "The Lost Place" sollte ich nicht hier lesen! Ich atmete tief durch und entsann mich, was das Wort an sich eigentlich hieß.
"Horror, lateinisch horror. Steht für Starren, Erschauern, Schrecken, Grausen", murmelte ich. Ich war wissenschaftlich genug bewandert, um zu wissen, dass es für alles eine rationale Erklärung gab. Den sich bewegenden Duschvorhang, das hohe Pfeifen in alten Häusern. Knarren und Knacken. Mein eigenes Denken brachte mich zurück zur Normalität und ich widmete mich wieder dem durchaus wohligen Gruselgefühl, denn darum geht es doch, wenn ich abends Spukfilme schaute oder Horrorgeschichten las.
Ich legte es darauf an, mich zu fürchten! Ich entschied, wie ich fühlte. Horror ist nur ein Wort.
Über mir knackte es. Mein Blick richtete sich zur Zimmerdecke. Außer Rissen und einem feuchten Fleck sah ich nichts. Mein Herzschlag beschleunigte sich, ich atmete angestrengt. Abwechselnd wischte ich die leicht schwitzigen Hände an der Jeans ab, legte das Buch aber nicht aus den Händen. Was sollte da oben schon sein?







Mit einem Knall klappte ich das Buch zu. Selbst eine Kurzgeschichte mit dem Namen "Flashbacks" ist zu viel, denn ich hörte ganz eindeutig Schritte. Von oben!
"Ich bin hier allein", flüsterte ich, legte das Buch auf den Ohrensessel und trat zurück in die Vorhalle. Hatte ich die Tür zum ersten Raum geschlossen oder offen gelassen? Meine Erinnerung ließ mich im Stich, ich war mit der Entdeckung der Bücher abgelenkt gewesen. War ich beim Betreten des Hauses sicher, hier alleine gewesen zu sein, sagte mir mein Gefühl, dass ich es nun nicht mehr war. Mein rationaler Verstand, versuchte eine Erklärung zu finden. Dadurch, dass ich mich an diesem Ort mit Gruselbüchern beschäftigt hatte, hatte ich meine eigene Spukgeschichte erschaffen. Ich sorgte selbst dafür, dass ich etwas Angst empfand. Dieses wiederkehrende grummelige Bauchgefühl, wie beim Betreten eines dunklen Kellers, obwohl man wusste, dass sich dort nur Regale und altes Zeug befanden.
Mein Herz schlug noch ein bisschen schneller. Und ja, ich erfreute mich an dem zartschrecklichen Gefühl.






Oben knarrte es. Etwas klapperte. Der Wind pfiff in die Vorhalle und wirbelte das Laub auf. Spukgeschichten. Geistererscheinungen. War es im Grunde egal, welche Art von Horror wir sahen, hörten, lasen, erlebten? Denn am Ende erschaffen wir uns selbst die Art von Horror, die wir in diesem Augenblick gerne erleben möchten.
Mit diesem Gedanken wand ich mich zur Treppe und setzte meinen Fuß auf die erste Stufe.


* * *

Ihr Lieben, was ist Horror für euch? Klassischer Grusel? Gespenster? Zombies? Gemetzel? Lasst mir eure Buch- und Filmtipps da!
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Wenn ihr wissen wollt, wie es unserem einsamen Entdecker ergeht, dann kommt morgen wieder vorbei. ^^ 

Liebe Grüße
Tilly und der Held auf der Treppe







(Das Copyright von Text, Bildern und Illustrationen liegt bei den Verlagen, Autoren und/oder den Illustrationen, die im Impressum erwähnt werden.)

Kommentare:

  1. Jaaaa, Horror.
    Also für mich muss Horror wirklich gruselig sein! Da muss sich ein richtiges Angstgefühl einstellen und dieses leichte unbehagliche Unwohlsein xD
    So mag ich es am liebsten und mir ist egal, WIE das der Autor oder der Regisseur hinbekommt. Im Film ist z. B. oft die Musik ausschlaggebend - hab ich zumindest für mich rausgefunden.

    In Büchern grusele ich mich leider viel zu selten. Anscheinend bin ich da ein bisschen immun, ich weiß nicht, woran es liegt.

    Wie gesagt, es dürfen Zombies sein, Mystery, Gemetzel oder auch was auf die Psyche geht, aber es muss mich wirklich packen, mitfiebern lassen und diese Gruselatmosphäre schaffen!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Achja, Tipps ...
      letztens hab ich "Von Kastanien und Knochen" von Daniel Mosmann gelesen - Horror Kurgeschichten. Richtig gegruselt hats mich da zwar auch nicht, aber die haben schon eine wirklich tolle Atmosphäre erzeugt! Und sehr gut durchdacht, kann ich auf jeden Fall empfehlen!

      Geisterfjord von Yrsa Siguardardottir fand ich auch nicht schlecht, das hatte auch so eine gewisse Stimmung - obwohls eben zum Gruseln für mich auch noch zu wenig war ^^

      Winter People von Jennifer McMahon - eher Mystery aber wirklich toll gemacht!

      Und "Stigmata" von Beatrix Gurian ist so eine richtig typische Horrorgeschichte in einem alten verfallenen Gemäuer, das hat sogar mich gepackt! :D

      Und viele von Stephen King natürlich ...

      Bei Filmen siehts bei mir schon wieder anders aus, da grusel ich mich wirklich schnell (wie schon gesagt, die Musik ... ), in jungen Jahren hab ich da auch wohl viel zu viel angeschaut, was gar nicht für mein Alter gedacht war *lach*
      Deshalb hab ich in dieser Richtung wirklich kaum mehr was angeschaut in den letzten Jahren - richtig heftig hat es mich bei The Sixth Sense erwischt, da konnte ich danach nicht mal mehr alleine im Dunkeln aufs Klo xD

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  2. Ich mag den Stil, wie du an das Wort Horror herangehst :3


    Für mich ist Horror das, was unterschwellig kommt. Wenn er mich überrascht & schockiert. Nicht der offensichtliche in Form von Figuren. Gerade wenn man viel aus den hardcore Bereich liest, wird man oft mit den alltäglichen Formen des Horros konfrontiert. Was ich auch als Horror empfinde ist, wenn es Szenen der Folter gibt, die ich an mir selbst spüre. Grad im Zahnbereich gibt das gern Gänsehaut XD

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  3. Hallo,
    also ich mag den klassischen Grusel lieber als Blut und Totschlag. Alte Gruselfilme liebe ich, z. B. "Bis das Blut gefriert" von 1963. DAS war noch Grusel!!
    Liebe Grüße
    Anja vom kleinen Bücherzimmer

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