Donnerstag, 10. Mai 2018

Rezension: "A Fairy Tale", Anja Stephan




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Inhalt/Meinung

Eine Geschichte über Elfen der ganz anderen Art, in einer Welt, der unseren zwar ähnelt, aber doch unterschiedlich ist.
Ich möchte hier auch anmerken, dass mir das Cover unglaublich gut gefällt! Es ist so zauberhaft und spiegelt den Inhalt perfekt wieder. Ich liebe dieses Cover einfach!

Die Geschichte startet mit Scott McKenzie, der auf dem Weg zur Oper ist. Als Leser landet man gleich im Geschehen und ich muss zugeben, dass mir der Einstieg etwas schwer viel, weil ich nicht genau wusste, an wen ich mich halten muss und was jetzt eigentlich los ist. Es dauerte ein paar Seiten, bis ich ganz in der Geschichte drin war und nicht immer durch mein eigenes Grübeln rausgerissen wurde. Ab diesem Moment wurde es viel viel besser und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Scott McKenzie ist ein Halbelf und das bekam er in jungen Jahren leider auch immer wieder von den Hochelfen zu spüren. Sie schikanierten ihn und behandelten ihn von oben herab. In Zeiten des Kriegs musste er sich verstecken. Aber Scott hatte ein gutes Leben, hat hart gearbeitet und besitzt nun ein gutlaufendes Antiquariat und kann eine ausgezeichnete Reputation vorweisen. Mit der Zeit hat er so seine Schrullen entwickelt, aber ich fand diese alle ganz reizend. Sie haben aus ihm eine Figur mit Ecken und Kanten gemacht, denn seine schrullige Art war immer zu erklären und auf sein Leben zurückzuführen. Er hat bestimmte (Un)Arten nicht einfach entwickelt, weil er Lust hatte, sondern sein Leben hat ihm zu dem gemacht, der er ist, als der Leser ihn kennenlernt. Er ist freundlich, sehr intelligent, ordentlich und beugt sich den Elfengesetzen, wenn es notwendig ist. Das wirkt natürlich alles sehr normal und anständig, aber Scott McKenzie hat Geheimnisse, die nicht jeder wissen soll. Aber manchmal kommt eine Person daher, vor der man die eigenen Geheimnisse einfach nicht verstecken kann und dann entscheidet sich, ob man an ihnen zugrunde geht, oder gemeinsam wächst.

Gwendolyn von Cleve gehört zu den Hochelfen, die Scott immer wieder gezeigt haben, wo in ihren Augen sein Platz ist. Dabei verbindet die beiden viel mehr, als sie je bereit sind, zuzugeben. Gwendolyn ist eine wirklich arrogante Person und sieht in Scott nur ein Mittel zum Zweck. Jedenfalls dachte ich das, bis ich sie näher kennenlernte. Nicht immer ist der erste Eindruck der beste, aber nicht immer sollte man dem ersten Eindruck glauben schenken. Es gibt Personen, bei denen sollte man einen zweiten Blick wagen, denn wer weiß was man entdecken könnte? Scott will keinen zweiten Blick wagen, wird dazu aber gezwungen. Er muss mit Gwendolyn zusammenarbeiten und so sehr Gwendolyn sich auch dagegen wert, erkennt sie doch nach und nach, dass auch in Scott viel mehr steckt, als sie auf den ersten Blick dachte.
Wo sie unordentlich ist, ist er ordentlich. Wo sie sich etwas traut, ist er zurückhaltend. Diese beiden sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

Am Anfang streiten die beiden viel und werfen sich Dinge aus der Vergangenheit vor. Als sie jedoch gezwungen werden, zusammenzuarbeiten, ändert sich ihre Dynamik und auch wenn sie noch immer nicht genau wissen, was sie vom jeweils anderen halten sollen, fand ich die Szenen, in denen beide zusammenarbeiten, am Besten. Witz, Ironie und eine Figurendynamik, die mich sofort gefangen nahm. Scott und Gwendolyn sind wie füreinander geschaffen, sie ergänzen sich, sie reizen sich, sie passen einfach zusammen. Jeder denkt von dem anderen hin und wieder doch noch etwas schlecht und manchmal konnte ich das, was sie denken und das was sie letztendlich machen, nicht in Verbindung bringen, weil sie sich ganz plötzlich anders verhielten, aber je länger die beiden zusammenarbeiten mussten, desto weniger wurden diese kleinen „Aussetzer“ und desto mehr war ich einfach in der Geschichte drin.

Die Liebe ist etwas, das man nicht einfach geschenkt bekommt. Sie ist nichts, das man mit einem Urteil und einer Auflage von einem Gericht erschaffen kann. Sie ist etwas, das wachsen muss. Die Liebe will entdeckt werden, denn man kann nie wissen, wo sie sich gerade versteckt. Nicht immer findet man die Liebe in einem Herzen, denn Liebe ist vielseitig. Manchmal sind es Taten, die von Liebe sprechen. Oder Worte, die aus Liebe gesagt werden, auch wenn sie wehtun. Und manchmal ist es eine gemeinsame Reise, ein langer Weg, an dessen Ende vielleicht die Liebe auf einer Bank sitzt und darauf wartet, mitgenommen zu werden.

Gerne hätte ich noch mehr Zeit mit Scott, Gwendolyn und all den anderen reizenden Figuren verbracht, die die Autoren erschaffen hat. Sie alle waren auf ihre eigene Art toll und einzigartig und hätten hin und wieder mehr Raum verdient. Aber sie standen nicht im Vordergrund, ergänzten die Geschichte von Scott und Gwendolyn jedoch perfekt.
Die Welt hätte mehr entdeckt werden können, denn wenn sie unserer gleicht, war sie doch anders. Es wirkte alles so normal, dass ich immer kurz einen Moment brauchte, wenn ich im Hier und Jetzt wieder ankam. Elfen gibt es nicht. Oder doch? ^^

Das Ende war für alle Beteiligten passend, auch wenn ich mir hier und da etwas mehr Einsatz gewünscht hätte. Es fällt mir schwer, genaueres zu sagen, denn ich will das Ende nicht spoilern. Es war schön, aber mir fehlte die Kirsche auf dem Eisbecher mit Sahne.


Fazit

„A Fairy Tale“ ist ein Roman mit knapp 700 Seiten, die ich weg las als wären es nur 350. Einmal in der Geschichte drin, war weglegen kaum mehr möglich. Schreibweise und Weltenbau waren richtig gut und zogen mich unentwegt weiter in die Welt von Scott und Gwendolyn.
Auch wenn mir der Einstieg zuerst schwerfiel und mir am Ende die Kirsche fehlte, hat es richtig viel Spaß gemacht, die beiden so unterschiedlichen Protagonisten auf ihrem Weg zu begleiten. Es geht um mehr, als nur um das Zusammenfinden von unterschiedlichen Personen, denn bevor man die Liebe bei jemand anderen findet, muss man sich selbst erstmal lieben können, so wie man ist. 

* * * 

Klappentext

Aus ist es mit seinem ruhigen Leben im Quartier Latin in Paris! Als Scott McKenzie seiner Erzfeindin aus Jugendtagen über den Weg läuft, weiß er sofort, dass es das Schicksal nicht gut mit ihm meint. Dabei hat sich der Halbelf aus einst hohem Hause in den letzten hundert Jahren mit einem gut gehenden Antiquariat eine ausgezeichnete Reputation aufgebaut. Aber nun zieht ihn die eigenwillige Gwendolyn von Cleve in ein Abenteuer in die Pariser Unterwelt hinein, dass ihn völlig überfordert. Auf der Suche nach dem blauen Herzen muss er sich mit der Vergangenheit der beiden verfeindeten Familien auseinandersetzen und sich gegen einen unbekannten Feind behaupten. Dabei wird ihm bewusst, dass sich sein Leben für immer verändern wird - und das Fräulein von Cleve ist schuld daran.









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